Der Commodore 64 und die ersten Pinselstriche

Aus meinem entstehenden Künstlerbuch: Werkstattfassung:

Ich war Berufsschullehrer. Sport und Informatik. Und in der Freizeit sass ich oft am Computer und programmierte.

Programmieren hat mich immer fasziniert, weil es etwas hat, das viele nicht sehen: Es ist kreativ. Nicht kreativ im Sinne von „bunt“, sondern kreativ im Sinne von „elegant“. Du suchst nicht einfach irgendeine Lösung. Du suchst die eleganteste.

Ungefähr mit 55 merkte ich: Dieses Feld gab mir nicht mehr das Gleiche. Die Softwarewelt veränderte sich ständig, wurde komplexer – und ich lernte die neuen Dinge nicht mehr so leicht wie früher. Die Faszination war noch da, aber der Funke wurde kleiner.

Dann waren wir an einer Ausstellung von Alex Zürcher, einem Berner Maler. Er hatte A4-Blätter aufgelegt: Werbung für seine Malkurse. Ich hätte mir so etwas nie zugetraut. Aber Alex war mir auf Anhieb sympathisch. Und er hatte diese Art, die einem das Gefühl gibt: Komm, du darfst das. Du darfst hier rein.

Also ging ich nach Bern, einige Wochen in seinen Kurs. Aquarell und Gouache. Viele Teilnehmende trafen sich dort schon seit Jahren. Es hatte richtig talentierte Menschen darunter, so erinnere ich mich. Und ich merkte etwas, das mich überraschte: Für viele war der soziale Austausch fast genauso wichtig wie das Malen.

Irgendwann wurde mir der Aufwand zu gross, immer nach Bern zu fahren. Und ich verstand: Ich muss meinen Weg sowieso selber finden.

Und da kam dieser Gedanke, der bis heute stimmt: Ich mache es wie beim Programmieren.

Programmieren hatte ich mir auch selbst beigebracht. Ich kaufte mir damals einen Commodore 64 und lernte anhand dieser Computerhefte, die es am Kiosk gab, BASIC. Schritt für Schritt. Versuch, Fehler, nochmal.

Nach dem letzten Kurstag ging ich zu Marianne und sagte:

„Ich mache es jetzt wie beim Programmieren. Ich male einfach während fünf Jahren täglich. Dann wird es etwas. Oder eben nicht.“

Es gibt doch diese Geschichte mit den 10’000 Stunden. Du musst etwas einfach lange genug machen, bis du es beherrschst.

So habe ich angefangen.

LilaLöl, Original 2011, Papier, 64 × 50 cm

Werkstatt-Schluss: Das ist ein Ausschnitt aus meinem entstehenden Künstlerbuch. Im Buch wird es später die ganze Geschichte geben – hier teile ich nur einzelne Skizzen daraus.

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